Isolationstagebuch: 1 Monat Zuhause

In Tagebuch
am 13. April 2020
Isolationstagebuch: 1 Monat Zuhause

I’ve had enough of living in interesting times
– so hab ich das neulich irgendwo gelesen. Ich konnte nur zustimmend nicken… gerne würd ich wieder zu ganz langweiligen Zeiten leben, die sich später nicht in einem Geschichtsbuch wiederfinden. Ganz ohne Corona-Krise, Kontaktsperre und Co. Leider, leider können wir uns das nicht aussuchen.
Gerade fühle ich mich einigen Menschen trotz der räumlichen Distanz so nah wie selten zuvor. Dafür liebe ich Blogs und Social Media! Ich kann sehen, womit sich andere beschäftigen und dass es bei vielen gar nicht so viel anders abläuft wie bei uns – und das schafft eine schöne Verbundenheit. Deshalb mach ich heute mal – rein virtuell, versteht sich! – die Tür zu unserer Wohnung auf. Wie geht es uns, womit beschäftigen wir uns, wie erleben wir diese immer noch so unwirklich scheinende Zeit aktuell?

Unser Isolationstagebuch: März-April 2020

Seit wann sind wir zu Hause?

Seit dem 16. März – also mittlerweile seit über 4 Wochen.

Wie geht es uns?

„Soweit ganz gut“ ist unsere Standard-Antwort. Wir sind in einer sehr glücklichen Lage und das ist uns auch sehr bewusst.
Ohne Oskar würde ich glaube ich Tage heulend unter meiner Bettdecke verbringen… so muss ich halt weiter funktionieren und möchte ja auch für ihn stark sein. Ich glaube, das ist gerade für uns alle keine einfache Zeit.

Isolationstagebuch: 1 Monat Zuhause

Wie oft gehen wir raus?

Ganz selten. Wenn wir Lebensmittel einkaufen, planen wir meist direkt so, dass es für ca. 10 Tage reicht.
Spazieren gehen wir meist nur ein Mal in der Woche und probieren auch, das nicht aufs Wochenende zu legen… An einem sonnigen Samstag neulich war einfach zu viel los, um den Abstand einhalten zu können. Gerade mit dem Kinderwagen können wir auch nicht so super schnell die Straßenseite wechseln, wie das sonst oft nötig wäre.
Etwas, das ich an unserer Wohnung eigentlich so liebe – die Lage so nah an der Innenstadt – ist gerade eher ein Nachteil. Wenn wir zum Beispiel in den Wald wollen, müssen wir erst durch etwas belebtere Straßen. Dabei fühle vor allem ich mich sehr unwohl und angespannt.

Was hat sich sonst verändert?

Wir treffen uns nicht mehr mit anderen Leuten und Sven arbeitet jetzt im Home Office. Ganz neu ist das mit dem Home Office nicht, das hat er auch sonst immer mal gemacht… aber normalerweise nicht mehrere Tage am Stück, geschweige denn so viele. Er hat nun meinen Schreibtisch im „Babybüro“, meinem Arbeitszimmer/Oskars Wickelzimmer.
Ich war ja auch schon vor der Isolationszeit mit Oskar zuhause, wir hatten aber eigentlich immer was vor – ob nun ein Babykurs oder ein Treffen mit anderen Müttern. Diese Struktur ist jetzt komplett weggebrochen und so sind für mich Svens Arbeitstage gerade meistens sehr lang.

Isolationstagebuch: 1 Monat Zuhause

Womit verbringen wir unsere Zeit?

Ich hab nicht das Gefühl, plötzlich Unmengen an Freizeit oder schrecklich viel Langeweile zu haben… dafür sind wir ganz gut mit Oskar beschäftigt. Aber der schläft ja auch ab und zu und fast alle Freizeitmöglichkeiten sind jetzt weggefallen. Was machen wir also so den lieben langen Tag?

Videocalls

Eigentlich steh ich ja gar nicht soo sehr auf Telefonieren… aber inzwischen mag ich es so gerne! Videoanrufe sind gerade eine tolle Möglichkeit, um unsere Liebsten zu sehen. Und natürlich – was vor allem unsere Familien gerne nutzen – damit die anderen Oskar mal live sehen können! Der Kleine steht inzwischen total auf unsere Handys und Laptops und rechnet wohl jederzeit damit, dass da etwas Spannendes passieren könnte. Ist ja auch oft so! So sieht er seine Verwandten und auch die Baby-Freunde. Ganz schön viel Screentime für sein Alter… aber das ist jetzt eben so!
Mit unseren Eltern haben wir inzwischen wöchentliche Anruf-Dates, einige liebe Freunde sehen wir mehrmals wöchentlich und auch viele weitere liebe Menschen, mit denen wir sonst vielleicht gar nicht jeden Monat sprechen würden, haben wir bereits angerufen. Ich find’s total schön!
So können wir auch das Zeitfenster abends, wenn Oskar schon im Bett liegt, mal für Freunde-Zeit nutzen. Jemanden besuchen wäre da nicht drin und Besuch bei uns würde sich mit einem „wir schmeißen euch dann raus, wenn das Baby wach wird, was jederzeit sein kann“ wohl eher veräppelt fühlen. Für einen Videocall ist es aber perfekt!

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Selfie mit Freundinnen 2020

Serien

Trotz unseres hochgekurbelten Soziallebens per Skype und Co finden wir auch immer noch Zeit für unsere lieben Serienfreunde. Zusammen haben wir „The Punisher“ (bei Netflix) weitergeschaut… danach war uns der Sinn nach etwas weniger Brutalem. „Imagineering“ (bei Disney+) ist da einfach perfekt! Bei der Doku über die Macher der Disney-Themeparks können wir super abschalten (und von Besuchen irgendwann in ferner Zukunft träumen).
Alleine schaut Sven noch „Haus des Geldes“ (Netflix)… sieht schon echt spannend aus. Ich glaub, ich muss da dann auch mal noch einsteigen.
Ich hab mit „Making the Cut“ (Amazon Prime) angefangen. Ich mag Tim Gunn ja so gerne und Heidi Klum find ich auf englisch auch deutlich angenehmer. Das Ganze ist eine Designer-Competition mit einem riesigen Preisgeld und ich find es bisher ganz spannend, hab aber noch keine Favoriten (Ich hab bisher erst die ersten vier Folgen geschaut).

Spiele

Ein Lieblings-Zeitvertreib bei uns… da mussten wir uns natürlich direkt was überlegen, um die geliebten Spielenachmittage/-Abende mit Freunden zu ersetzen. Einige Spiele lassen sich auch prima per Videocall spielen! Alles, wo jeder ein eigenes Blatt hat (zB Stadt-Land-Fluss) klappt super, auch Quizspiele haben wir schon getestest. Soll ich mal einen eigenen Post dazu schreiben?
Dank Lu bin ich auch wieder voll im Quizduell-Fieber und hab schon einige andere angesteckt.

Mahlzeit!

… und immer wieder die Frage: Was kochen und essen wir als nächstes?

Das hat am besten geschmeckt:

Ein Makkaroni-Auflauf – bei der Auflauf-Sauce haben wir den besten Geschmack und die beste Konsistenz unserer gesamtem Auflauf-Saucen-Geschichte hingekriegt. Jetzt müssen wir mal schauen, ob das ein Zufallstreffer war, oder ob wir das reproduzieren können…
Auch Süßkartoffel-Schnitze vom Blech waren super… und die ungewürzte Version kam auch bei unserem kleinsten Mitesser super an!
Der Hefezopf war auch noch ein Highlight!

Die beste Resteverwertung:

Unser Standard sind dafür Wraps. Ein neuer Favorit ist Poké-Bowl… oder sowas in der Art. Sushi- bzw. Milchreis mit Reisessig und dazu alles, was der Kühlschrank so hergibt: Gemüse, kalt oder angebraten, Nüsse, Lachs, Mango, …

Isolationstagebuch: 1 Monat Zuhause

Bestellt:

Viele Wiesbadener Lieblingslocations bieten inzwischen Abhol- oder Liefermöglichkeiten – einige hab ich in meinem #SupportYourLocals-Post gesammelt. Bestellt haben wir bisher bei Hey Lucie und beim Heimathafen. War alles super lecker!

Das fehlt gerade im Vorratsschrank:

Bisher kamen wir ganz gut zurecht und haben auch beim Einkaufen fast alles bekommen. Hefe wäre mal wieder ganz schön, aber ich hab auch schon ein paar Rezepte ganz ohne Hefe und Mehl rausgesucht… und ansonsten können wir ja auch einfach mal wieder in einer Bäckerei fertiges Brot und Kuchen einkaufen.

Herzschmerz & Selbstfürsorge

Das vermisse ich am meisten:

Umarmungen! Wenn mir eine Freundin erzählt, dass es ihr nicht gut geht, ist mein erster Impuls einfach, sie ganz fest in den Arm zu nehmen… die Möglichkeit fehlt mir schon wirklich sehr.

Die größten Herausforderungen:

Klar: Leben mit all den schlimmen Nachrichten und der Angst, dass wir oder jemand unserer Lieben sich anstecken könnten und davor, was das alles noch für wirtschaftliche und sonstige Folgen haben wird.
Im Alltag ist es dann oft auch einfach der Tagesablauf: Wie kann Sven am besten von zuhause arbeiten, wenn Oskar und ich ebenfalls hier sind? Wie schaff ich es auch mal, Zeit für meine Arbeit einzuplanen? Wie bekommen wir es hin, uns trotz der Anspannung und dem Aufeinanderhocken nicht zu nerven?

Traurigste Momente:

Am traurigsten und schwersten fand ich es, Familienbesuche final abzusagen – ohne zu wissen, wann es ein Wiedersehen zwischen Oskar und seinen Großeltern geben wird. Auch Sven und ich vermissen natürlich unsere Familien und Freunde.
Außerdem haben wir neulich bei einem Spaziergang zwei Frauen gesehen, die auf der Straße standen und zu einem Balkon hoch „Happy Birthday“ gesungen haben. Das hat mich echt zu Tränen gerührt!

Das hab ich für mich getan:

Meinen Nachrichtenkonsum eingeschränkt. Am Anfang hab ich jedes Mal, wenn ich das Handy in der Hand hatte, wieder nachgeschaut und alle neuen Entwicklungen verfolgt. Das wurde einfach viel zu viel. Jetzt schaue ich deutlich seltener und hab sogar die Twitter-App von meinem Handy gelöscht.
Außerdem versuch ich gar nicht erst, mir die Zukunft auszumalen und nehm lieber jeden neuen Tag, wie er kommt. Das hilft mir beides, einigermaßen klarzukommen… es gibt aber auch solche und solche Tage.

Das hab ich für andere getan:

Längst nicht genug… ein bisschen Geld gespendet, ein bisschen versucht, meine Reichweite zu nutzen, um meine Wiesbadener Lieblingslocations zu unterstützen.
Da geht aber auf jeden Fall noch mehr…

Ein paar Netz-Fundstücke:

How to maintain your mental health if you’re living alone during quarantine (The Stripe)

50 Totally Free Ways to Practice Self-Care at Home (PureWow)

Nic hat die besten Näh-Anleitungen für Behelfsmasken gesammelt (luzia pimpinella)

Hast du auch manchmal das Gefühl, alle anderen machen so viel mehr aus der Selbstisolation heraus? Wohnungen umgestalten, neue Sprachen lernen, jeden Tag 2 Stunden Yoga, …? Das hier zu lesen tat mir dabei ganz gut: Stop Trying to be Productive. (New York Times)

Auch ein wichtiger Punkt: When Positivity Becomes Toxic (Forever Amber)

Dabei musste ich ein bisschen grinsen: The Micro Trends of Quarantine. (vox.com)
Dalgona Coffee sieht aber auch echt zu gut aus… ein Rezept gibt es bei Jana. (Nom Noms Food)

Gerade entdeckt und noch nicht reingehört… aber bestimmt auch interessant: Wie übersteht man (Existenz)-Krisen und bleibt mental stark? (Vanilla Mind)

Beim neuen YouTube-Channel von John Krasinski wollte ich auch mal noch reinschauen: Some Good News.

Zum Abschluss: Pläne, Dankbarkeit + Fail des Monats

Ein positiver Blick zurück und nach vorne… und zum Abschluss noch ein Lacher!

Dafür bin ich dankbar:

Ich bin in einer Wohnung, die ich sehr mag, mit Sven und Oskar, die ich (meistens) auch sehr mag, uns geht es gut und wir haben alles, was wir so brauchen.
Bisher geht Svens Arbeit wie gewohnt weiter und auch bei mir kommen noch neue Aufträge rein… auch darüber bin ich wirklich sehr froh!
Und wie toll ist es denn bitte, dass es das Internet gibt? ♥

Das hab ich mir für den nächsten Monat vorgenommen:

Ich merke, wie gut es uns tut, wenn wir doch mal wieder eine Runde draußen unterwegs waren. Deshalb möchte ich da gerne Zeiten und Möglichkeiten für uns finden, damit das ein bisschen öfter klappt.
Außerdem hab ich mir vorgenommen, noch häufiger und bei noch mehr anderen mal zu hören, wie da so die Lage ist.

Fail des Monats:

Eine Hose nur mal ganz kurz vor die Wärmelampe halten, damit sie schneller trocknet… Joa, die nasse Stelle ist nun weg. Der gesamte Stoff drumherum halt auch.

Isolationstagebuch: 1 Monat Zuhause

Und wie geht es euch?
Nehmt gerne meine Fragen mit, wenn ihr auch Lust habt, euer Isolationstagebuch zu teilen!

Katha

6 Kommentare

  • Franziska

    Danke für den Einblick in euer aktuelles Leben. – Inspiriert von dir habe ich deine Fragen auf meinem Blog beantwortet. Oft sind die Antworten recht ähnlich ausgefallen.

    15. April 2020 um 06:23 Antworten
    • Katha

      Oh wie cool, da schau ich gleich vorbei!

      15. April 2020 um 13:12 Antworten
  • Sheena

    Liebe Katha,

    Vielen Dank für deinen bzw euren Einblick in euer Tagenuch, ich habe mir die Fragen geschnappt und auch teilgenommen:

    Herzlich Sheena

    16. April 2020 um 08:22 Antworten
    • Katha

      Liebe Sheena,

      wie schön, ich schau gleich vorbei!

      18. April 2020 um 13:08 Antworten
  • Ella

    Liebe Katha,

    tolle Impulse, man fühlt richtig mit bei dir. Zum Thema Video-Brettspiele habe ich auch einen Artikel veröffentlicht, es ist wirklich toll, dass man so noch gemeinsam Zeit miteinander verbringen kann, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Vielleicht sucht ihr euch mal eine total unmenschliche Zeit zum rausgehen aus, so zum Sonnenaufgang , da sind dann vielleicht auch bei euch nicht so viele Menschen unterwegs. Ich hoffe ihr findet eine Lösung, es wird alles gut und genau: Das Internet ist gerade noch wichtiger geworden.

    Alles Liebe,
    Ella

    16. April 2020 um 12:00 Antworten
    • Katha

      Liebe Ella,
      vielen Dank für deinen lieben Kommentar!

      Oh ja, wir schauen mal, welche Zeiten für uns gut passen und wie es da auf den Straßen so ausschaut.

      Danke und alles Liebe für euch!
      Katha

      18. April 2020 um 13:09 Antworten

    Antworten